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Erbrecht Ehegatte nach dem BGB

38229198_mlDas „Erbrecht Ehegatte“, also des jeweiligen Ehepartners, bestimmt sich in erster Linie danach, welche Verwandten der Verstorbene hat und ob die Eheleute einen Ehevertrag geschlossen haben.

Erbrecht Ehegatte – drum prüfe, wer sich ewig binde

Normalfall: Zugewinngemeinschaft

Die Mehrheit der Menschen in Deutschland heiratet ohne Ehevertrag. Für sie gilt der gesetzliche Güterstand der Zugewinngemeinschaft. Im Erbfall wird der Zugewinn nicht konkret, wie bei einer Scheidung, berechnet sondern pauschal mit einem Viertel des Vermögens angesetzt. Dieses Viertel wird zu dem gesetzlichen Erbteils des Ehepartners von einem weiteren Viertel addiert, sodass der Ehepartner im Regelfall zu 50 % erbt. Dies gilt allerdings nur, wenn Erben 1. Ordnung vorhanden sind, also Kinder / Enkelkinder. Sind im Zeitpunkt des Todes keine Erben 1. Ordnung vorhanden, sondern beispielsweise nur die Eltern oder Geschwister des Verstorbenen so erbt der Ehepartner sogar 3/4 des Vermögens.

Sonderfall: Gütertrennung

Einige wenige Ehen in Deutschland werden nicht im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft eingegangen, sondern in Gütertrennung. Dies erfordert aber immer einen notariellen Ehevertrag. Ansonsten leben sie in Zugewinngemeinschaft. Verheiratete Partner die sich für die Gütertrennung entschieden haben, profitieren nicht von der beschriebenen pauschalen Erhöhung um 1/4, sondern erben nur ihren gesetzlichen Erbteil. Dieser richtet sich im Stand der Gütertrennung nach der Anzahl der erbenden Kinder. Zwischen Kindern und Ehepartner wird gleichmäßig geteilt. Sind beispielsweise 2 Kinder vorhanden so erbt der Ehepartner 1/3 und jedes der Kinder 1/3. Das „Erbrecht Ehegatte“ kann in diesem Fall aber nie unter 1/4 sinken, da nach dem Gesetz bei 3 oder mehr Kindern der Minimalanteil des Ehegatten auf 1/4 festgesetzt ist.

Sonderregelungen für die Zugewinngemeinschaft im Pflichtteilsrecht

Wie die Kinder und erbenden Eltern des Verstorbenen ist auch der Ehegatte pflichtteilsberechtigt, d.h. er hat einen Anspruch, selbst wenn ihn sein Partner enterbt hat. Normalerweise besteht dieser Anspruch in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils, bei 50% also zu 25% usf. Das Besondere für die Zugewinngemeinschaft ist, dass sich der enterbte Ehegatte hier aussuchen kann, ob er seinen Zugewinn pauschalisiert mit 25% in Anspruch nimmt neben seinem normalen Erbteil (d.h. zu 12,5% im Pflichtteil) – man spricht dann zusammen vom „großen“ Pflichtteil – oder aber den vollen Zugewinn fordert und zusätzlich den reduzierten, den „kleinen“ Pflichtteil geltend macht.